Kurz gesagt: Durchfluss bestimmt die Geschwindigkeit eines Anbaugeräts, Druck die Kraft. Tragkraft sagt dir, wie viel die Maschine sicher heben darf. Wer alle drei richtig liest, vermeidet teure Fehlkäufe.
Durchfluss: l/min und GPM: Wie viel Hydrauliköl fließt zum Anbaugerät?
Der Durchfluss – englisch flow – beschreibt, wie viel Hydrauliköl pro Minute zum Anbaugerät fließt. Er bestimmt die Arbeitsgeschwindigkeit: wie schnell ein Mulcher rotiert, ein Erdbohrer dreht oder eine Kehrmaschine arbeitet. Mehr Durchfluss heißt mehr Tempo.
Die Umrechnung ist simpel: 1 US-Gallone = 3,785 Liter. Also GPM × 3,785 = l/min. 22 GPM sind rund 83 l/min, 38 GPM rund 144 l/min.
Bei der Zusatzhydraulik unterscheidet man – am Beispiel der Bobcat-Lader – drei Stufen:
- Standard Flow: je nach Modell bis etwa 22 GPM (~83 l/min). Reicht für die meisten Anbaugeräte – Schaufeln, Erdbohrer, einfache Greifer.
- High Flow: bis etwa 38 GPM (~144 l/min). Für anspruchsvolle Werkzeuge wie Mulcher, Kaltfräsen oder große Bohrer.
- Ultra-High Flow: bis etwa 50 GPM (~189 l/min). Für die leistungshungrigsten Anbaugeräte.
Die Regel dahinter: Das Anbaugerät gibt vor, welche Flow-Klasse Sie benötigen. Zum Beispiel kann ein High-Flow-Mulcher an einer Standard-Flow-Maschine zu langsam laufen und überhitzen.
Druck: bar und PSI: Mit welcher Kraft arbeitet das Öl?
Der Druck – pressure – beschreibt die Kraft, mit der das Öl arbeitet. Während der Durchfluss das Tempo liefert, liefert der Druck das Drehmoment und die Durchschlagskraft. Ein Hydraulikhammer braucht Druck, um zuzuschlagen; ein Greifer braucht Druck, um zu halten.
Die Umrechnung: 1 bar = 14,5 PSI. Also PSI ÷ 14,5 = bar. Die Zusatzhydraulik in dieser Maschinenklasse arbeitet typisch bei rund 3.000–3.500 PSI, also etwa 207–241 bar.
Wichtig zu verstehen: Durchfluss und Druck sind zwei getrennte Größen. Die Hydraulikleistung entsteht erst aus beiden zusammen. Eine Maschine mit hohem Durchfluss, aber zu wenig Druck treibt ein Werkzeug schnell an, bringt aber nicht die nötige Kraft auf – und umgekehrt.
Warum Maschine und Anbaugerät zusammenpassen müssen
Hier passieren die meisten Fehler. Drei Szenarien:
- Zu wenig Durchfluss: Das Anbaugerät läuft träge, die Maschine arbeitet am Limit, das Öl überhitzt. Leistung bleibt liegen.
- Zu viel Durchfluss: Das Werkzeug überdreht, Lager und Dichtungen verschleißen vorzeitig.
- Falscher Druck: Zu wenig Druck heißt zu wenig Kraft – der Hammer schlägt schwach, der Greifer hält nicht.
Die Faustregel ist deshalb: Nicht die Maschine bestimmt das Anbaugerät, sondern das Anbaugerät die nötige Maschinen-Spezifikation. Prüfen Sie im Zweifel also zuerst, welchen Durchfluss und Druck Ihr Werkzeug verlangt; wählen Sie erst dann die passende Hydraulik-Konfiguration.
Tragkraft: Kipplast und Nennkipplast (ROC)
Beim Heben tauchen zwei Begriffe auf, die oft verwechselt werden:
Kipplast (tipping load) ist die Last, bei der die Maschine nach vorn zu kippen beginnt – ein Grenzwert, gemessen unter Idealbedingungen auf ebenem, festem Boden. Damit arbeitet niemand; es ist ein reiner Prüfwert.
Nennkipplast (Rated Operating Capacity, ROC) ist der sichere Anteil davon – die Last, mit der du tatsächlich arbeiten solltest. Und hier liegt der entscheidende Punkt, den viele übersehen:
- Radlader (Skid-Steer): ROC = 50 % der Kipplast. Beispiel: Bobcat S66, Kipplast 4.800 lbs → ROC 2.400 lbs.
- Raupenlader (Compact Track Loader): ROC = 35 % der Kipplast. Beispiel: Bobcat T66, Kipplast 7.000 lbs → ROC 2.450 lbs.
Der Unterschied ist normgegeben (SAE J818): Raupenlader arbeiten häufiger auf unebenem, weichem Untergrund, deshalb der konservativere Wert. Praktisch heißt das: Eine höhere Kipplast bedeutet nicht automatisch mehr nutzbare Tragkraft.
Die Vergleichsfalle: Die Norm hat sich über die Jahre geändert. Ältere Maschinen tragen teils noch den 50-%-Wert, neuere den 35-%-Wert – manche Hersteller geben sogar beide an. Wer zwei Datenblätter vergleicht, ohne auf die zugrunde liegende Norm zu achten, vergleicht Äpfel mit Birnen.
Fragen und Antworten rund um die Hydraulik von Baumaschinen
Wie rechne ich GPM in l/min um?
GPM × 3,785 = l/min. 20 GPM entsprechen also rund 76 l/min.
Wie rechne ich PSI in bar um?
PSI ÷ 14,5 = bar. 3.000 PSI sind rund 207 bar.
Was ist der Unterschied zwischen Standard Flow und High Flow?
Standard Flow liefert weniger Durchfluss (bei Bobcat-Ladern bis ~22 GPM/83 l/min) und reicht für die meisten Anbaugeräte. High Flow (~38 GPM/144 l/min) ist für leistungshungrige Werkzeuge wie Mulcher oder Kaltfräsen nötig.
Warum trägt mein Raupenlader weniger als ein Radlader mit ähnlicher Kipplast?
Weil die Nennkipplast (ROC) bei Raupenladern auf 35 % der Kipplast festgelegt ist, bei Radladern auf 50 %. Das ist eine Sicherheitsnorm, kein Leistungsmangel.
Verringert ein schweres Anbaugerät meine Nennkipplast?
Die ausgewiesene ROC-Zahl ändert sich nicht – aber das Eigengewicht des Anbaugeräts geht von deiner nutzbaren Zuladung ab.
